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Weserradweg

Am 11. Mai 2003 war es endlich soweit: Wir starteten unsere lange geplante Radtour entlang  der Weser und der Elbe. Start sollte in  Hann.-Münden sein, am Zusammenfluss von Werra und Fulda, am Weserstein. Der Weserradweg ist unter Radlern sehr beliebt, er ist gut ausgebaut, durchgehend beschildert und führt durch wunderschöne Landschaften.
 Ich stelle hier eine eher sportliche Variante der Fahrt vor mit Tagesetappen zwischen 80 und 120 Kilometern. So legten wir die gesamte Strecke in 1 Woche zurück. Jeder kann die Etappen kürzer oder länger wählen, Übernachtungen sind entlang der Weser leicht zu finden, wir schliefen bevorzugt in Jugendherbergen, auch für Senioren eine Preiswerte Alternative, wenn man bereit ist, abends seine Betten selber zu beziehen.

Die genauen Modalitäten und Preise findet man hier: DJH - Die Jugendherbergen                                                                                 

Am Start waren: Mein Freund Thomas, seine Frau Kathi, sein Sohn Daniel, meine Frau Marita und ich. Unterwegs waren wir mit Trekkingrädern, meine Frau und ich mit 7- Gang Nabenschaltung, die anderen drei mit Kettenschaltung. Angaben zum Gepäck unserer Fahrradtour mache ich hier:  Radtour-Gepäck
 

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Die Anreise von Dresden mit der Bahn war mit dem Wochenendticket recht preiswert, zumal für uns fünf Personen. Da wir am Sonnabend erst in den Nachmittagsstunden hier waren, sollte die Tour am Sonntag beginnen. Deshalb hatten wir die Übernachtung schon von zu Hause aus in der Jugendherberge Hann. Münden gebucht.

Den Abend nutzten wir zu einem ausgiebigen Bummel durch die wunderschöne Stadt und zum Weserstein. Auch ein Besuch im Biergarten war noch drin, für die Frauen allerdings mit heißer Schokolade, das Wetter hatte sich inzwischen etwas abgekühlt. Das Eheleben auch, die Nacht verbrachten wir im Doppelstockbett.

Hann.Münden
      118 km nach

Bodenwerder


Am Sonntag, den 11. Mai 8:00 Uhr Start von Hann. Münden zur ersten Etappe nach Bodenwerder. Das Wetter war eher durchwachsen. Die Strecke ist hier noch hügelig, an einigen kurzen Steigungen mussten wir mit dem schweren Gepäck schieben. Der erste Halt nach ca. 20 km am Kloster Bursfelde. Überall auf der Strecke wunderschöne Fachwerkhäuser. Mittagspause auf einer Anhöhe mit Blick auf Bad Karlshagen, wo im Kurpark ein Platzkonzert zu hören war. Weiter über Beverungen, Höxter und Holzminden nach Bodenwerder.

Die Jugendherberge liegt auf dem Hang, nach  reichlich 100 km heißt es um 17:00 Uhr noch mal Schieben. Die Herberge ist sehr empfehlenswert, aber wieder ein Etagenbett, dafür aber mit eigenem WC und Dusche. Abends noch ein Spaziergang in die romantische Stadt, ein fürstliches Abendessen beim Griechen und ein Eis vom Italiener.  

      98 km nach

Vlotho


Morgens beim Frühstück Anruf  in Minden, Die Jugendherberge ist schon voll, wir sollen es in Vlotho versuchen, und es klappt. Da haben wir uns noch gefreut... Unterwegs ein Stadtbummel durch Hameln, sollte man nicht auslassen.

Dann die erste Panne: an meinem Hinterrad war eine Speiche gebrochen und einige locker, also eine Werkstatt suchen. Die war in Hessisch Oldendorf schnell gefunden, der örtliche Fahrradhändler zog eine neue Speiche ein und zentrierte das Hinterrad neu. Und jetzt nach Vlotho, wenn man vor dem Ort dem Weserradweg folgt, erlebt man eine sportliche Einlage. Damit die Radfahrer, besonders die, die mit Kindern unterwegs sind, von der Landstraße ferngehalten werden, schickt man sie über etliche böse Steigungen und durch den Wald auf einen Umweg. Alle anderen sollten tunlichst auf der Straße bleiben, vor allem wenn sie in die Jugendherberge wollen, denn die liegt auf einem steilen Berg, also noch mal 2 km schieben. Das Haus selbst war schon mit Kindern belegt, um 22 Uhr war dann aber endlich Ruhe bis 7 Uhr früh.

      86 km nach

Nienburg


Am nächsten Tag ging es über Bad Oeynhausen zunächst nach Minden, hier wurde an der Uferpromenade Rast gemacht. Danach weiter zum Mittellandkanal. Die Brücke über die Weser ist ein beeindruckendes Bauwerk, ebenso die Schleusen.

Weiter durch Petershagen, der Radweg entfernt sich hier ein Stück weit von der Weser. In Landesbergen überquert der Radweg die Weser, nun war es nicht mehr weit zu unserem Tagesziel Nienburg. Hier bezogen wir Quartier im Jugendgästehaus, wo man uns sehr freundlich in sauberen, ordentlichen Zimmern aufnahm. Am Abend machten wir noch einen ausgedehnten Spaziergang durch die schöne Altstadt . 

      90 km nach

Bremen


Früh schon schlechtes Wetter, was sich über den Tag auch nicht wesentlich änderte, kalt, Regen, Wind. Unser Tagesziel sollte Bremen sein. Also Anruf in Bremen, die Jugendherberge war voll, Absagen auch von anderen Quartieren. Na dann fahren wir erst mal los. Die Strecke wäre sicher herrlich gewesen, bei besserem Wetter.

In Bremen wollten wir uns mit einer Freundin aus Hannover treffen. Als wir auf den Deichen vor Bremen ankommen, empfängt uns ein Platzregen. Also erst mal unterstellen, und immer noch keine Zimmer für die Nacht. Anruf bei der Touristinformation in Bremen, wir sollen hinkommen. Dort bekamen wir dann noch zwei Zimmer im Cityhotel auf der Bahnhofstraße, die uns für die Regenfahrt entschädigten, endlich mal keine Betten beziehen.

Am Abend noch ein Besuch in der Stadt und Abendessen mit Maritas Freundin beim Chinesen. Abends klagt meine Frau nach dieser anstrengenden Etappe über Rückenschmerzen und entzündete Augen, wir vereinbaren, das wir noch so lange mitfahren, wie es ihr möglich ist.

      99 km nach

Bremerhaven


Am Morgen eine böse Überraschung: Das Kettenritzel von meinem Hinterrad hatte sich von der Nabe gelöst, ich konnte nicht weiterfahren. Da hatte ich selber Schuld. Am Abend zuvor hatte sich ein Gepäckriemen durch meine Unachtsamkeit zwischen Speichen und Ritzel gewickelt und ließ sich nur sehr schwer wieder entfernen. Da hat er wohl das Teil von der Nabe gedrückt. Rettung fand sich schon 10 Minuten später am Bahnhof. Hier wurde mein Rad von zwei freundlichen Mechanikern in Empfang genommen, die auf dem Bahnhofsvorplatz eine Fahrradwerkstatt betreiben. Als wir die vielen Räder der Pendler sahen, wussten wir auch warum die beiden ausgerechnet dort ihr Business betreiben. Als wir schon nach einer Stunde das Rad abholen konnten, waren wir wieder rundum zufrieden.

Unsere drei Gefährten waren am Morgen schon vorausgefahren, so beschlossen wir, auch mit Rücksicht auf den Rücken meiner Frau, mit der Bahn weiter zu fahren. Dadurch entging uns eine Etappe und vor allem auch die Überfahrt mit der Fähre nach Bremerhaven.

So, nun waren wir zwei Mittags schon dort und konnten im Hotel Weserland einchecken, das wir schon am Morgen telefonisch gebucht hatten. Jetzt war viel Zeit für eine ausgiebige Erkundungsfahrt durch die Stadt und den Hafen. Besonders zu empfehlen ist der Fischereihafen, hier ließen wir uns bei Fisch und Bier die Sonne auf den Bauch scheinen. Jetzt meldete sich aber wieder die Lendenwirbelsäule meiner Frau. Wir fuhren zurück in unser Hotel, wo meine Frau auch bleiben musste.

Ich radelte allein zur Weserfähre und rief  Thomas an. Die Fähre kam dann auch bald und ich konnte vom Leuchtturm aus winken. Am Abend dann noch ein Bummel zum Fischereihafen, alle Fünf wieder vereint.

      60 km nach

Cuxhaven


Am nächsten Morgen wollte mein Frau es noch mal versuchen, und so starteten wir zur letzten Etappe auf dem Weserradweg nach Cuxhaven. Zunächst ging es durch das riesige Hafengelände von Bremerhafen vorbei an einer beeindruckenden Kulisse von Kränen und Schiffen. Dann verlief der Radweg entlang des Weserdeiches auf einer guten Asphaltstraße, die  auch von allerdings sehr rücksichtsvollen Autofahrern genutzt wurde.

Hier hatten wir die erste Reifenpanne der Tour, am Vorderrad meiner Frau. Der Schlauch war schnell gewechselt. Von Zeit zu Zeit stiegen wir auf den Damm, um die großen Schiffe auf der Weser zu sehen. Mittagspause war in der Gaststätte " Zur gemütlichen Ecke" direkt hinter dem Deich. Hier gab es Maischolle satt, das heißt soviel man essen kann. Eine Köstlichkeit in einem Gasthaus, das ich ausdrücklich empfehlen kann.

Über verschiedene Seebäder erreichten wir am Nachmittag unser Nachtquartier in der Jugendherberge Cuxhaven. Hier wurden wir wieder freundlich empfangen und konnten saubere und ansprechende Zimmer beziehen.

Am Abend unternahmen wir wieder einen Ausflug mit dem Rad in die nähere Umgebung, wir sahen den Hafen und beschlossen den Tag mit Fischsemmeln und Bier an der Helgoländer Fähre. 

mit der Bahn nach

Hamburg


Die Hansestadt Hamburg erreichten wir wegen des Handicaps meiner Frau wieder mit der Bahn. So waren wir am Vormittag schon dort. Aber eine neue Hürde tat sich auf: es war Museumsnacht, alle Quartiere ausgebucht. Also zum Bahnhof, zur Touristinformation. Zwei Zimmer gab es noch, auf der Bremer Zeile, und wer Hamburg kennt, weiß auch, was das bedeutet. Eine gute Pension in einer "lustigen" Gegend. Das sollte uns aber nicht schrecken. Wir konnten die Räder einschließen, das war uns das Wichtigste.

Und dann zu einem lang gehegten Traum, jedenfalls für die Männer, ein Besuch im "Modelleisenbahn Wunderland". Vorsicht! Das macht absolut süchtig, höchste Infektionsgefahr.  Eine Stadtrundfahrt gönnten wir uns noch, und der Blick aus dem Hotelfenster (besser als Fernsehen) beendete den Tag.


Am nächsten Morgen das endgültige Aus für mich und meine Liebe: Es ging einfach nicht mehr. Ihr Rücken war nur noch ein Schmerz, dazu regnete es wie aus Gießkannen. Also zum Bahnhof. Es war Sonntag, wir konnten ein Wochenendticket nutzen.

In Lüneburg hieß es dann Abschied nehmen, mit einer Träne im Knopfloch: Thomas, Kathi und Daniel stiegen hier aus und radelten zum Elberadweg, von dem hier: Elbe berichtet wird. Wir beide fuhren mit dem Zug weiter nach Dresden. Nächstes Jahr machen wir den Elberadweg von Elbflorenz nach Hamburg, hoffentlich unter einem besseren Stern. 

 
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